Aphaia Tempel von Aigina

Dieser Tempel mit den Giebelskulpturen, den "Aigineten" ist die Hauptattraktion in der Glyptothek München und Bezugspunkt für die GLYPTOTHEK Etsdorf.

„Eines der Bauwerke, das den Zerstörungen, bedingt durch die ständige Gegnerschaft zwischen Athen und der Insel Aigina im Saronischen Golf entging, ist der Tempel der Aphaia, der Unsichtbaren Athene. In einer Waldlandschaftauf einer Felskuppe über dem Meer gelegen, ist der Tempel von Aigina das schönste Beispiel griechischer Inselarchitektur. Der dorische hexastylos mit 6 x12 Säulen wurde um 495, am Übergang der archaischen zur klassischen Zeit errichtet. Trotz seiner bescheidenen Dimensionen ist das Aphaia-Heiligtum von bemerkenswerter Ausgewogenheit und Harmonie. Der Stylobat ist 13,77 auf 28,81 m groß (1:2,1). Die Säulen haben eine Höhe von 5,25 m oder 16 dorischen Fuß (1 Fuß = 0,328 m)....“

„Farbiger Bauschmuck: Der bemerkenswert restaurierte Tempel auf Aigina war ursprünglich mit Putz verkleidet, der die Unregelmäßigkeiten des als Baumaterial verwendeten Muschelkalks überdeckte. Der Bau gehört zu jenen antiken Kunstdenkmälern, die in dem berühmten »Polychromiestreit« Anlaß zu heftigsten Polemiken boten. Jahrzehnte hindurch stritten sich im 18. und 19. Jahrhundert Archäologen und Kunsthistoriker in Frankreich, Deutschland und Großbritannien über die Rolle der Farbe in der griechischen Architektur. ... So hatte man sich nun die griechische Architektur, die man sich lange farblos beziehungsweise in der Farbe parischen Marmors oder Stucks gedacht hatte, von kräftigen Farben belebt vorzustellen. Die Vorstellung, die man sich bis dahin vom griechischen Tempel gemacht hatte, war zu revidieren. Auch die herrlichen Giebelfiguren des Aphaia-Temoels heben sich von einem farbigen Grund ab. Die Skulpturen, deren Thema die Kämpfe des Herakles und des Ajax im Trojanischen Krieg sind, bilden einen der Höhepunkte griechischer Plastik. Die Reinheit der Zeichnung, die Fülle der Volumen und die Feierlichkeit der erstarrten Aktion, die das Heldenepos für alle Ewigkeit festhält, werden durch die Leuchtkraft der Farben, die Adolf Furtwängler zu rekonstruieren suchte, zu einem Ganzen verschmolzen.“

aus: Henri Stierlin, Taschen 2001, „Griechenland - von Mykene zum Parthenon“